Was ist der österreichische Kontenrahmen?
Der österreichische Einheitskontenrahmen (ÖKR) ist ein standardisiertes System zur Gliederung aller Konten in der Buchhaltung. Er gibt die Struktur vor, nach der Vermögenswerte, Schulden, Erträge und Aufwendungen systematisch erfasst werden. Jedes Konto hat eine eindeutige Nummer, die seine Position im Gesamtsystem bestimmt.
Der ÖKR basiert auf dem Kontenrahmen nach Fachsenat-Empfehlung der Kammer der Wirtschaftstreuhänder und ist in Österreich der Standard für die doppelte Buchhaltung. Er dient als Vorlage -- der individuelle Kontenplan eines Unternehmens ist eine Auswahl aus dem ÖKR, angepasst an die eigenen Bedürfnisse.
Aufbau: Die 10 Kontenklassen
Der ÖKR ist in 10 Kontenklassen gegliedert, nummeriert von 0 bis 9. Jede Klasse deckt einen bestimmten Bereich ab:
Kontenklasse 0: Anlagevermögen
Hier werden langfristige Vermögenswerte erfasst, die dem Unternehmen dauerhaft dienen:
- 0100-0199: Immaterielle Vermögensgegenstände (Software, Lizenzen, Patente)
- 0200-0399: Grundstücke und Gebäude
- 0400-0699: Maschinen, Werkzeuge, Betriebs- und Geschäftsausstattung
- 0700-0799: Finanzanlagen (Beteiligungen, Wertpapiere)
Praxisbeispiel: Ein Laptop für EUR 1.800 wird auf Konto 0630 (Büromaschinen, EDV-Anlagen) gebucht und über 3 Jahre abgeschrieben.
Kontenklasse 1: Vorräte
- 1000-1099: Rohstoffe
- 1100-1199: Bezogene Teile
- 1200-1299: Hilfs- und Betriebsstoffe
- 1300-1599: Unfertige und fertige Erzeugnisse
- 1600-1699: Waren (Handelsware)
Für Dienstleistungsunternehmen ist diese Klasse oft wenig relevant. Für Handels- und Produktionsbetriebe ist sie zentral.
Kontenklasse 2: Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
- 2000-2099: Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- 2300-2399: Sonstige Forderungen
- 2500-2599: Vorsteuer-Konten
- 2700-2799: Kassa (Bargeld)
- 2800-2899: Bankkonten
Wichtig: Die Bankkonten (28xx) sind für die tägliche Arbeit die am häufigsten bebuchten Konten. Hier landen alle Zahlungseingänge und -ausgänge.
Kontenklasse 3: Verbindlichkeiten
- 3000-3099: Anleihen und langfristige Verbindlichkeiten
- 3100-3199: Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
- 3300-3399: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
- 3500-3599: Umsatzsteuer-Konten (Traglast, Zahllast)
- 3600-3699: Sonstige Verbindlichkeiten
Kontenklasse 4: Erträge (Erlöse)
- 4000-4099: Erlöse Inland (20% USt)
- 4100-4199: Erlöse Inland (10% USt)
- 4200-4299: Erlöse EU (innergemeinschaftliche Lieferungen)
- 4300-4399: Erlöse Drittland (Exporte)
- 4400-4599: Sonstige betriebliche Erträge
Kontenklasse 5: Materialaufwand und bezogene Leistungen
- 5000-5099: Aufwendungen für Rohstoffe
- 5100-5199: Aufwendungen für bezogene Leistungen
- 5300-5399: Wareneinsatz (Handelsware)
Kontenklasse 6: Personalaufwand
- 6000-6099: Löhne
- 6100-6199: Gehälter
- 6200-6299: Aufwendungen für Abfertigungen
- 6300-6399: Aufwendungen für Altersversorgung
- 6500-6699: Gesetzlicher Sozialaufwand (DG-Beiträge)
- 6700-6799: Sonstiger Sozialaufwand
Kontenklasse 7: Abschreibungen und sonstige betriebliche Aufwendungen
Dies ist die umfangreichste Klasse mit allen laufenden Betriebskosten:
- 7000-7099: Abschreibungen auf Anlagevermögen
- 7100-7199: Mietaufwand, Leasing
- 7200-7299: Instandhaltung, Reparaturen
- 7300-7399: Reise- und Fahrtaufwand
- 7400-7499: Postgebühren, Telefon, Internet
- 7500-7599: Werbung und Marketing
- 7600-7699: Büroaufwand
- 7700-7799: Versicherungen
- 7800-7899: Rechts- und Beratungsaufwand
- 7900-7999: Übrige betriebliche Aufwendungen
Praxisbeispiel: Die monatliche Büromiete von EUR 1.200 wird auf Konto 7100 (Mietaufwand) gebucht. Die Telefonrechnung von EUR 45 auf Konto 7400 (Post und Telekommunikation).
Kontenklasse 8: Finanzerträge und -aufwendungen
- 8000-8099: Erträge aus Beteiligungen
- 8100-8199: Zinserträge
- 8200-8299: Zinsaufwendungen
- 8300-8399: Sonstige Finanzerträge/-aufwendungen
Kontenklasse 9: Eigenkapital, Rücklagen, Abschluss
- 9000-9099: Eigenkapital (Stammkapital, Grundkapital)
- 9100-9199: Kapitalrücklagen
- 9200-9299: Gewinnrücklagen
- 9600-9699: Privatkonto (Einzelunternehmen)
- 9800-9899: Eröffnungs- und Abschlusskonten
- 9900-9999: Evidenzkonten
Unterschied zum deutschen SKR 03/SKR 04
Wer mit deutschen Buchhaltungsprogrammen arbeitet, stolpert schnell über die Unterschiede:
| Merkmal | ÖKR | SKR 03 | SKR 04 |
|---|---|---|---|
| Struktur | 10 Klassen (0-9) | Prozessgliedert | Abschlussgliedert |
| Erlöse | Klasse 4 | Klasse 8 | Klasse 4 |
| Personalaufwand | Klasse 6 | Klasse 4 | Klasse 6 |
| Bankkonten | 28xx | 12xx | 18xx |
| USt-Konten | 25xx/35xx | 15xx/17xx | 14xx/36xx |
Wichtig: Deutsche Software mit SKR-Vorlagen ist für Österreich nicht geeignet. Die Kontonummern stimmen nicht überein, die UVA-Zuordnungen sind falsch, und der Jahresabschluss entspricht nicht dem UGB.
Den eigenen Kontenplan erstellen
Der ÖKR ist ein Rahmen -- kein Unternehmen braucht alle Konten. So erstellst du deinen individuellen Kontenplan:
Schritt 1: Branche berücksichtigen
- Dienstleister: Wenig Klasse 1 (Vorräte), viel Klasse 7 (Betriebsaufwand)
- Handel: Starker Fokus auf Klasse 1 und 5 (Wareneinsatz)
- Produktion: Alle Klassen relevant, besonders 0, 1, 5, 6
Schritt 2: Nötige Konten auswählen
Ein typischer IT-Dienstleister kommt mit 60-80 Konten aus. Ein produzierender Betrieb braucht vielleicht 150-200. Starte schlank und ergänze bei Bedarf.
Schritt 3: Subkonten anlegen
Für detailliertere Auswertungen kannst du Subkonten anlegen. Zum Beispiel:
- 7500 Werbung allgemein
- 7510 Online-Marketing (Google Ads, Social Media)
- 7520 Printmedien
- 7530 Messen und Events
Schritt 4: USt-Codes zuordnen
Jedes Ertrags- und Aufwandskonto braucht einen Standard-USt-Code. Das spart Zeit bei der täglichen Buchungsarbeit und reduziert Fehler.
Häufige Fehler bei der Kontenrahmen-Nutzung
- Zu viele Konten: Mehr Konten bedeuten mehr Aufwand ohne Mehrwert. Nur anlegen, was wirklich ausgewertet wird.
- Falsche Klasse: Betriebsaufwand (Klasse 7) wird mit Materialaufwand (Klasse 5) verwechselt -- das verfälscht die GuV-Struktur.
- Privatkonto vergessen: Bei Einzelunternehmen müssen private Entnahmen und Einlagen über das Privatkonto (96xx) gebucht werden.
- USt-Codes nicht gepflegt: Wenn Konten keinen Standard-USt-Code haben, muss bei jeder Buchung manuell gewählt werden -- fehleranfällig.
Fazit
Der österreichische Kontenrahmen ist kein bürokratisches Monster, sondern ein logisch aufgebautes System. Wer die 10 Kontenklassen versteht, hat das Fundament für eine saubere Buchhaltung. Der Schlüssel liegt darin, den eigenen Kontenplan schlank zu halten und konsequent zu verwenden.
Numeris liefert einen vorkonfigurierten ÖKR-Kontenplan, der auf die häufigsten Branchen zugeschnitten ist. Du kannst Konten jederzeit hinzufügen, umbenennen oder deaktivieren -- ohne die Grundstruktur zu verlieren.